Crowdsourcing – ein neuer Ansatz im Social Media Marketing

von Jochen Thien

Crowdsourcing ist eine Wortneuschöpfung von Jeff Howe aus dem Jahr 2006 und setzt sich aus den Begriffen Crowd und Outsourcing zusammen. Die Crowd ist eine unbestimmt große Masse an potentiellen freiwilligen Internetnutzern mit gemeinsamen Charaktereigenschaften. Outsourcing bezeichnet die Auslagerung von bestimmten Aufgaben eines Unternehmens an ein anderes Unternehmen, das für die Erstellung genau dieser Aufgabe beauftragt wird (Vgl. Werner, Malanowski, 2011, S. 13 ff.) Das Crowdsourcing, auch Schwarmintelligenz genannt, verfolgt den Grundgedanken, dass bestimmte Unternehmensaufgaben an eine breite Masse von interessierten Freizeitmitarbeitern ausgelagert werden, welche dann allein oder in Zusammenarbeit erledigt werden. Es entsteht eine neue Art von Arbeitsteilung, die hilft Spezialisierungseffekte zu nutzen und komplexe Aufgaben effizient zu bewältigen. Der Kunde wird als strategischer Faktor in die Aktivitäten des Herstellers, von der Idee bis hin zum Verkauf, integriert und erweitert somit das Wertschöpfungsnetzwerk von Unternehmen. Der Konsument wird beim Erstellen von Inhalten zum sogenannten Prosumenten. Dieser Begriff ist eine Wortzusammensetzung aus Produzent und Konsument (Vgl. Sobczak, Groß, 2010, S. 15 ff.).

Das Unternehmen bittet beim Crowdsourcing öffentlich, in der Regel über eine Web- site, um Mithilfe. Social Media Marketing bietet die Möglichkeit sehr einfach Inhalte online zu kreieren und zu veröffentlichen. Über einen Blog-Post, einen Tweet oder ein YouTube-Video können Unternehmen beachtliche Reichweiten in ihren Zielgruppen herstellen. Soziale Medien gibt es in verschiedensten Formen, wie z.B. Blogs, soziale Netzwerke, Media-Sharing-Sites, Social Bookmarking, Bewertungs-Sites und Foren. Hier gilt es die richtigen Medien für das Crowdsourcing-Projekt zu identifizieren und ihnen beizutreten (Vgl. Zarella, 2010, S. 6 f.). Eine rege Fanbasis, z.B. auf Facebook, hilft dem Unternehmen dabei mit der Crowd in Verbindung zu treten und virale Effekte zu nutzen (Vgl. http://bit.ly/xwlqFN). Crowdsourcing ist eine besondere Form der Zusammenarbeit, die ohne das Internet nicht möglich wäre. Die starke Vernetzung der Internetuser im Social Media fördert die Interaktion untereinander und macht diese aufgrund der Informationsvielfalt zu Spezialisten für die Unternehmen (Vgl. Hettler, 2010, S. 237 ff.).

Die Anwendungsmöglichkeiten des Crowdsourcings werden in vier grundlegende Kategorien unterteilt, die unterschiedliche Ziele verfolgen, unterschiedliche Endpro- dukte herstellen und unterschiedlich organisiert sind. Crowdsourcing-Projekte beste- hen in der Regel aus einer Mischung dieser Kategorien.

Crowdwisdom beruht auf der These, dass Gruppen mehr Wissen vereinen als Einzelne. Fähigkeiten, Wissen und Talente auf der Basis von unterschiedlichsten Herkünften und Erfahrungen werden gebündelt. Unternehmen können diese gemeinsamen Stärken zur Problemlösung, Ideenfindung oder Innovationsgenerierung nutzen. Probleme, die nicht eigenständig gelöst werden können, werden mit Hilfe des Crowdcastings bewältigt, indem eine Fragestellung über das Internet an die Crowd übergeben wird. Die Bearbeitung einer Aufgabenstellung erfolgt häufig von Spezialisten aus anderen Fachrichtungen und führt dadurch zu neuen Lösungsansätzen.

Ideen und Innovationen werden mittels eines online durchgeführten Brainstormings, auch „idea jam“ genannt, über einen längeren Zeitraum generiert. Die Besonderheit besteht darin, dass etwas Neues entstehen soll (Vgl. Sobczak, Groß, 2010, S. 39 ff.).

Tchibo Ideas ist beispielsweise eine Ideenplattform für die Lösung von Alltagsproblemen. Unter dem Motto „Gemeinsam gedacht, besser gemacht!“ sollen innovative Produkte entstehen (Vgl. http://bit.ly/5oPCU8).

Crowdcreation bezieht die Crowd und somit die Prosumenten in den Produktions- prozess mit ein. Es entstehen dabei oftmals Produkte aus dem künstlerisch-kreativen Bereich. Weiterhin werden Ideen und Konzepte entwickelt.

Threadless ist eine Online-Design-Community welche überwiegend bedruckte T- Shirts herstellt, die von den Usern designt wurden (Vgl. http://bit.ly/cgqdsm).

Crowdvoting nutzt die Fähigkeiten der User um Unmengen an Informationen zu fil- tern, zu organisieren oder zu klassifizieren. Sie bewahren sich und andere vor einem Datenchaos. Die Abstimmung zwischen unterschiedlichen Angeboten ermöglicht den Verbrauchern einen erheblichen Einfluss auf die Produkte. Dieser Einfluss wechselt vom Produzenten zum Konsumenten und es entsteht ein reger Ideenaustausch.

Die Internetseite www.unseraller.de ermöglicht die Abstimmung über Produkteigenschaften für neue Produkte und bietet den Unternehmen die Chance Produkte bedarfsgerecht zu produzieren (Vgl. http://bit.ly/xIHJpz).

Crowdfunding, auch „Finanzierung durch Massen“ genannt, ist ein neuer Weg der Geldbeschaffung. Die Crowd wird direkt über eine entsprechende Internetplattform auf ein Projekt aufmerksam gemacht um das benötigte Kapital für das Vorhaben inmehreren Teilbeträgen von der Crowd zu erhalten. Es handelt sich um eine Art Spendenaktion, da die Projekte aufgrund fehlender Sicherheiten oftmals keine Unterstützung von Banken oder anderen Geldgebern bekommen würden. Über diese Art der Fremdfinanzierung werden häufig auch gemeinnützige Projekte unterstützt. Die Geldgeber erhalten in der Regel keine Rückzahlung des Geldes sondern vielmehr eine Beteiligung an den Gewinnen der Projekte, das fertige Werk oder individuelle Geschenke, je nach Höhe des zur Verfügung gestellten Betrages (Vgl. Sobczak, Groß, 2010, S. 71 ff.).

Startnext.de ist seit September 2010 die erste Crowdfundingplattform in Deutschland. Es werden hier überwiegend kulturelle Projekte gefördert und mit dem benötigten Kapital ausgestattet (Vgl. http://bit.ly/gZq Nz0).

Einer der wichtigsten und zentralsten Aspekte des Crowdsourcing ist die Motivation zur Teilnahme und Mithilfe an Projekten. In der Ökonomie wird davon ausgegangen, dass die Teilnehmer in der Regel rational handeln und nur etwas beitragen, wenn sie dafür einen Gegenwert erhalten. Es wird ein funktionierendes Motivations- und Anreizsystem benötigt, welches eine faire oder als fair empfundene Belohnung bietet. Die Motive sich an einem Projekt zu beteiligen, können extrinsisch oder intrinsisch geprägt sein. Extrinsische Motive werden häufig durch eine Belohnung in Form von Rabatten, Gratisprodukten oder Zahlung von Geld vergütet. Intrinsische Motive hingegen liegen in der Ausführung der Tätigkeit selbst und es besteht oftmals keine unmittelbare Gegenleistung. Die Herausforderung besteht darin ein angemessenes Anreizsystem zu finden. Ist es nicht vorhanden oder entspricht es nicht den Erwartungen, so wird der Crowd schnell das Gefühl des Ausnutzens vermittelt (Vgl. Gassmann, 2010, S. 59 ff.). Der Nutzen für die Unternehmen ist oftmals größer als für die Prosumenten, da die geleistete Arbeitskraft mehr wert ist als der zusätzliche Nutzen für die beteiligten Individuen der Crowd (Vgl. Michaelis, Schildhauer, 2010, S. 124).

Crowdsourcing ist kein Selbstläufer. Daher müssen die Schritte zur erfolgreichen Einführung von Crowdsourcing im Unternehmen sorgfältig durchgeführt werden. Zunächst muss sich das Unternehmen gegenüber den Konsumenten öffnen, damit diese in die Wertschöpfung eingebunden werden können. Die Aufgaben für die Crowd müssen definiert werden und teilbar sein. Nun müssen die „richtigen“ Problemlöser auf den vielzähligen Internetportalen gefunden und angesprochen werden. Je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgaben sorgt das entsprechende Anreizsystem für die Motivation der User. Wurde das Problem von der Crowd gelöst oder das angestrebte Projekt umgesetzt, so gilt das Ziel als erreicht (Vgl. Gassmann, S. 131 ff.). Wenn ein Unternehmen das Crowdsourcing einführt, dann muss dies auch mit allen Konsequenzen und dauerhaft erfolgen. Zur schnellen und günstigen Ideengenerierung ist Crowdsourcing nicht geeignet (Vgl. http://bit.ly/xwlqFN).

Fazit: Die unternehmerische Ausrichtung orientiert sich zunehmend an den Bedürfnissen und Wünschen der Konsumenten. Eine Teilung der Unternehmensaufgaben und die gleichzeitige Nutzung des nahezu unbegrenzten Wissens der Crowd können zu einem höheren ROI und zu einer Innovationsführerschaft der Unternehmen beitragen. Die Möglichkeiten des Crowdsourcings sind längst nicht ausgeschöpft und es werden in Zukunft neue Crowdsourcing-Konzepte entstehen. Internetnutzer können durch den Einsatz von Social Media aktiv an der Entwicklung und Gestaltung ihrer Produkte teilnehmen. Die Ergebnisse orientieren sich nah an den Bedürfnissen der Zielgruppe und bringen ebenso überzeugte Kommunikatoren hervor, die sich mit den Produkten identifizieren (Vgl. Pfeiffer, Koch, 2011, S. 28 f.). Es bleibt zu beobachten, wie sich die Einsatzbereitschaft der Crowd entwickelt, wenn immer mehr Unternehmen auf die Ressource „Crowd“ zugreifen möchten (Vgl. Papsdorf, 2010, S. 169 f.).

Literatur- und Quellenverzeichnis

Gassmann, O. (2010), Crowdsourcing – Innovationsmanagement mit Schwarmintelli- genz, München

Hettler, U. (2010), Social Media Marketing, München

Kolbrück, O., (2011), HORIZONT 12 vom 24.03.2011 S. 16, http://bit.ly/xwlqFN

Michaelis D. / Schildhauer T. (2010), Social Media Handbuch, Baden-Baden

o.V., crowdfunding.startnext.de, http://bit.ly/gZqNz0, Zugriff: 03.12.2012

o.V., tchibo-ideas.de, http://bit.ly/5oPCU8, Zugriff: 15.12.2011

o.V., threadless.com, http://bit.ly/cgqdsm, Zugriff: 20.12.2011

o.V., werben & verkaufen Nr. 27 vom 07.07.2011, S. 12, http://bit.ly/xIHJpz, Zugriff: 15.12.2011

Papsdorf, C. (2010), Wie Surfen zu Arbeit wird – Crowdsourcing im Web 2.0, Frank- furt/Main

Pfeiffer T. / Koch B. (2011), Social Media, München

Sobczak, S. / Groß, M. (2010), Crowdsourcing – Grundlagen und Bedeutung für das E-Business, Boizenburg

Werner, T. / Malanowski N. (2011), Crowdsourcing – Kurzstudie, Düsseldorf Zarella, D. (2010), Das Social Media Marketing Buch, Köln

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Über Prof. Dr. Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Professorin für Betriebswirtschaft Speaker und Beraterin
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