Social Media als Instrument der Produktentwicklung

von Anika Kopelke

Social Media, oder soziale Medien, bezeichnet Kommunikationsmittel, in denen sich Internetbenutzer über verschiedenste Themen austauschen und ihre Meinungen, Ideen und Eindrücke äußern können. Zu den sozialen Medien gehören soziale Netzwerke, wie z.B. Facebook, Xing und Google+, sowie Foren und Blogs, darunter fallen Weblogs und Microblogs, wie Twitter. Ebenfalls zu den sozialen Medien gehören Sharing-Portale für Fotos, Musik und Videos, Auskunfts- und Bewertungsportale. Bei all diesen Aktivitäten entstehen Informationen und Wissen, so genannter User Generated Content, kurz UGC. Dieser Content kann von Unternehmen genutzt werden um Informationen und Meinungen zu sich selbst, ihren Dienstleitungen und Produkten zu erlangen (vgl. Onlinemarketing-Praxis, 27.12.2011). Besonders interessant in diesem Zusammenhang der Produktweiterentwicklung sind verschiedene Bewertungsportale bei denen Produkte und Dienstleitungen direkt von Kunden bewertet werden können um anderen Kunden Hilfe bei der Kaufentscheidung zu geben, wie z.B. Idealo, Qype oder bei amazon (vgl. Römer/Schroll 2011, 03.01.2012).

Mit Hilfe von Social Media Monitoring können diese Informationen gefiltert und ausgewertet werden. Hierbei handelt es sich um die Beobachtung des im Internet entstehenden Contents über das Unternehmen und seine Leistungen. Das Monitoring erfasst und bewertet die Inhalte, um so gezielt Informationen filtern und Problemen vorzubeugen zu können. Diese Instrumente können dabei helfen Schwachpunkte und Vorteile der eigenen Produkte und Dienstleistungen zu erkennen und diese zu nutzen (vgl. infospeed GmbH, 16.11.2011).

Möglichkeiten um die Bedürfnisse der Kunden zu erfragen waren bisher z.B. qualitativ wie quantitative Kundenbefragungen und das Engagieren von Beratungsagenturen. Diese Wege waren oft kostenintensiv, aufwändig oder mit möglichen Streuverlusten verbunden. Dank Social Media können Unternehmen nun selbst mit dem Kunden in Dialog treten oder durch den UGC Erwartungen und Bedürfnisse ableiten. Mittlerweile haben viele Unternehmen Portale um direkt mit den Kunden kommunizieren zu können. Oft werden diese zusätzlich mit dem sozialen Netzwerk Facebook verbunden. Bei der Produktentwicklung sind gute Ideen und Innovationen das A und O. Problematisch wird es wenn im internen Innovationsprozess marktnahe und zukunftsweisenden Innovationen fehlen. In der Vergangenheit wurde in solchen Fällen auf externe Berater oder eigene Markt- und Trendforschungen zurück gegriffen. Doch diese Methoden waren oftmals zeit- und kostenintensiv. Außerdem war bei großem zeitlichem und finanziellem Input noch lange keine Markt- und Kundennähe als Output garantiert. Heute gehen Unternehmen meist andere Wege – ein Zauberwort in diesem Zusammenhang scheint Open Innovation zu sein. Open Innovation bezeichnet eine Innovationsstrategie bei der Unternehmen sich für externe Ideen öffnen und diese in die eigene Ideen- und Produktentwicklung einfließen lassen. Instrumente dabei sind z. B. Crowdsourcing, Customer Co-Creation und Lead-User-Ansätze (vgl. Römer/Schroll 2011, 03.01.2012).

Crowdsourcing  bezeichnet das Outsourcen einzelner Tätigkeiten an eine undefinierte Masse an Personen. Hierbei wird die Intelligenz und das Wissen der Massen genutzt, die sogenannte Wisdom of the Crowd (vgl. Reil, 03.01.2012). Da hierbei keine Experten, sondern die breite Masse angesprochen wird, eignen sich einfache und genau spezifizierte Tätigkeiten und Aufgabenstellungen, die durch das jeweilige Unternehmen eng betreut werden müssen. Es können hierbei neue Designideen entstehen, das eigentliche Produkt bleibt davon meist unberührt. Diese Form der Customer Co-Creation eignet sich ebenfalls für Low-Involvement Produkte und Konsumgüter. Hierbei kann auf die Nutzung von Facebook oder ähnlichen sozialen Netzwerken zurückgegriffen werden. Die User benötigen kein Expertenwissen, sondern nur die eigenen Ideen und Ansprüche an das jeweilige Produkt. So ließ der Drogeriemarkt dm seine Facebook-User unter der Überschrift „Balea-Mitmach-Dusche“ neue Duschgelvariationen entwickeln, die als Limited Edition in die Läden kam (vgl. Wesp, 03.01.2012).

Einen Schritt weiter gehen solche Formen der Customer Co-Creation und Lead-User-Ansätze, bei denen die Kunden gezielter und direkter in die Prozesse einbezogen werden als beim Crowdsourcing. In solchen Fällen werden mit Hilfe von Kunden komplett neue Innovationen, Produkte und Nutzungsmöglichkeiten geschaffen. Die Produktentwickler stehen im direkten Dialog mit den Kunden, so kann die Produktentwicklung deutlich schneller und gezielter ablaufen. Dieses Instrument wird bei der Firma Lego seit Jahren genutzt. Die Kunden sind emotional an das Produkt gebunden und gehen deshalb mit großem Enthusiasmus an die Entwicklung neuer Nutzungsmöglichkeiten heran. Möglich wird dies über unternehmensgesteuerte Plattformen wie LEGO CreateandShare für LEGO Mindstorms Produkte (vgl.LEGO.com CreateAndShare, 16.01.2012). Doch auch technisch anspruchsvollere Fragestellungen können mit Customer Co-Creation bearbeitet werden. So nutzen die Automobilhersteller Toyota und Volkswagen das Wissen außerhalb der eigenen F&E um ihre nachhaltigen und innovativen Antriebstechnologien zu verbessern. Volkswagen schrieb hierzu einen Ideenwettbewerb aus, dessen Preisgeld bei 10.000 Euro lag.Toyota griff auf eine Expertenplattform im Internet namens Innocentive zurück. Diese Plattform wird hauptsächlich von Wissenschaftlern und Technikern genutzt, die mit Ihrem Expertenwissen Frage-stellungen von Auftraggebern lösen können. Diese Möglichkeiten des direkten Dialogs konnten sich erst durch die Verbreitung des Internets etablieren (vgl. Römer/Schroll 2011, 03.01.2012).

Auf der eigenen Plattform des Kaffeeproduzenten Tchibo wird das Crowdsourcing von Produktideen auf besondere Weise umgesetzt. Auf Tchibo Ideas sollen Alltagsprobleme erkannt und von der Community gelöst werden um später eventuell einen Weg in das Tchibo Produktsortiment zu finden. Teilnehmen kann jeder der Interesse hat und sich online registriert. Die Teilnehmer können alltägliche Probleme zur Diskussion stellen um sie von anderen Usern lösen zu lassen. Die Aufgaben sind vielfältig, von „Fleckentfernung mit Trockeneis“ über „Altglas-Zerkleinerer für die Wohnung “, bewegen sich meisten aber in Bereichen des persönlichen Alltags. Nach der Einreichung der Idee erfolgt ein dreistufiger Abstimmungsprozess, der in erster Linie von den Mitgliedern der Online-Community bestimmt wird. Die monatlichen Top 3 Aufgaben und Lösungen erhalten Geldgewinne von 500 € bis 2000 € und werden für Lösung des Jahres nominiert. Der Jahressieger erhalt ein Preisgeld von 10.000 €. Darüber hinaus ist es, bei Interesse des Unternehmens, den Usern möglich eine Kooperation mit Tchibo einzugehen und die entstandenen Ideen in Zusammenarbeit, mittels Lizenzvertrag zu vertreiben. Desweiteren arbeitet Tchibo Ideas auch zielgerichtet mit Experten zusammen. In Kooperation mit Designstudenten der Hochschule Coburg wurden Produkte zum Thema „Individuelle Raumgestaltung und Verschönerung entwickelt und in den Verkauf gegeben. Einige Ergebnisse dieser Open Innovation Strategie können auf der Tchibo Ideas Homepage online bestellt werden oder gehen in den Tchibo Themenwelten in den Verkauf (vgl.Tchibo ideas | Raum, 11.01.2012).

Ein ähnliches Konzept betreibt Starbucks mit seiner Online Community „My Starbucks Idea“. Hier können Kunden ihre Verbesserungsvorschläge und Produktwünsche einem Mitarbeiterteam mitteilen und von anderen Usern kommentieren lassen (vgl. My Starbucks Idea, 11.01.2012).

Abschließend lässt sich sagen, dass Social Media eine Reihe von Möglichkeiten bietet um die Ideen der Massen zu nutzen und so neue Inspiration für die eigene Produktentwicklung zu gewinnen. Ein positiver Nebeneffekt ist die gesteigerte Bekanntheit durch das Mitmach-Marketing und das Nutzen von Open Innovation.

Literaturverzeichnis

LEGO.com CreateAndShare. Online verfügbar unter http://www.lego.com/en-us/CreateAndShare/default.aspx, zuletzt geprüft am 16.01.2012.

My Starbucks Idea. Online verfügbar unter http://mystarbucksidea.force.com/apex/ideahome, zuletzt geprüft am 11.01.2012.

Tchibo ideas | Raum für deine Ideen. Online verfügbar unter https://www.tchibo-ideas.de/index.php/, zuletzt geprüft am 11.01.2012.

Harald Reil: Crowd Sourcing. Wer für andere denkt, ist kreativer. In: GENIOS WirtschaftsWissen, zuletzt geprüft am 03.01.2012.

Homburg, Christian; Krohmer, Harley (2009): Grundlagen des Marketingmanagements. Einführung in Strategie, Instrumente, Umsetzung und Unternehmensführung; [Bachelor geeignet!]. 2. Aufl. Wiesbaden: Gabler. Online verfügbar unter http://www.worldcat.org/oclc/316311070.

infospeed GmbH (2011): Definition. Online verfügbar unter http://www.social-media-monitoring.org/definition.htm, zuletzt aktualisiert am 16.11.2011, zuletzt geprüft am 17.01.2012.

Onlinemarketing-Praxis: Social Media (soziale Medien) – Definition. Online verfügbar unter http://www.onlinemarketing-praxis.de/glossar/social-media-soziale-medien, zuletzt geprüft am 27.12.2011.

Römer/Schroll (2011): Open Innovation heute: Instrumente und Erfolgsfaktoren. In: Information Management und Consulting (26), S. 58–63, zuletzt geprüft am 03.01.2012.

Social Media Communication (2010): Crowdsourcing mit Social Media. Unter Mitarbeit von Jried. Social Media Communication. Online verfügbar unter http://social-media-experten.de/2010/07/27/crowdsourcing-mit-social-media/, zuletzt geprüft am 11.01.2012.

Soehnchen, Stefanie (2011): Neue Supermacht: die Crowd? In: PR Blogger. Online verfügbar unter http://pr-blogger.de/2011/12/06/neue-supermacht-die-crowd/.

Wesp, Roswitha: Aus Kunden werden Freunde. dm-Drogeriemarkt bindet Facebook eng in die Social Media-Strategie ein – Balea-Produktentwicklung. In: Lebensmittel Zeitung 2011 (10), S. 40, zuletzt geprüft am 03.01.2012.

Advertisements

Über Prof. Dr. Heike Simmet

Prof. Dr. Heike Simmet Professorin für Betriebswirtschaft Speaker und Beraterin
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Crowdsourcing, Innovationem, Internet, Marketing und Multimedia, Online-Marketing, Schwarmintelligenz, Social Media, Web 2.0 abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Social Media als Instrument der Produktentwicklung

  1. Pingback: Produktideen… Fragen wir doch die Kunden!? | Vertrieb in der Energiewirtschaft

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s